Das Spiel des Jahres 2026 wirft seine Schatten voraus: Brettspiele findest du schon lange nicht mehr in der verstaubten Ecke. Vergiss die endlosen Monopoly-Abende, wobei wir sie alle geliebt haben, oder die Wutanfälle bei „Die Siedler von Catan“, wenn niemand deine Wolle gegen Erz tauschen wollte.
Moderne Brettspiele sind kreativ, überraschend und können sogar digital sein. Und das geht natürlich auch an Cuxhaven nicht spurlos vorbei: Beim Spieleabend in der Stadtbibliothek, der Spielfete im Mehrgenerationenhaus, dem Spielenachmittag bei Tante Emma oder beim Projekt „SpielZeit“ in Altenwalde wird gelacht, diskutiert und gespielt – ganz ohne großes Tamtam.
☝🏽 Und damit nicht genug! Aus der Brettspielwelt gibt es jetzt noch eine ziemlich feine Nachricht, die das norddeutsche Herz höher schlagen lässt: Lukas Zach aus Bremen entwickelt seit über 20 Jahren Brettspiele. Er ist ein echtes Küstenkind und war natürlich auch schon in Cuxhaven unterwegs. Gemeinsam mit seinem Autorenkollegen Michael Palm hat er bereits 2023 den wichtigsten Brettspielpreis „Spiel des Jahres“ für „Dorfromantik – Das Brettspiel“ abgesahnt. Nun sind das Nordlicht und sein süddeutscher Mitstreiter mit „Boss Fighters QR“ für das Kennerspiel des Jahres nominiert und mischen damit wieder ganz vorne mit beim Spiel des Jahres 2026. Das schreit doch förmlich danach, mit ihm mal über die Nominierung, moderne Brettspiele und die besondere Magie gemeinsamer Spieleabende zu sprechen.
Inhaltsverzeichnis Spiel des Jahres 2026
⚓ Quick-Facts: Brettspiele in Cuxhaven: Hier wird gemeinsam gespielt
In Cuxhaven gibt es gleich mehrere offene Spielangebote für Erwachsene, Familien und alle, die einfach gern gemeinsam ein bisschen offline, aber vielleicht dennoch digital, zocken wollen, auch das Spiel des Jahres 2026:
Veranstaltung Ort Für wen Besonderheiten 🎲 Spieleabend in der Stadtbibliothek Stadtbibliothek Cuxhaven Erwachsene Gemeinsam neue Spiele kennenlernen und in entspannter Atmosphäre spielen 🧩 Spielfete im Mehrgenerationenhaus Mehrgenerationenhaus Jung & Alt Generationenübergreifendes Spielen, Lernen und gemeinsamer Austausch ♟️ Spielenachmittag im Tante Emma Tante Emma Cuxhaven Alle Altersgruppen Gemütliche Atmosphäre mit Gesellschaftsspielen und Begegnungen 🎮 Spielzeit in Altenwalde Gemeindehaus Altenwalde Familien, Kinder & Erwachsene Regelmäßige Treffen rund ums gemeinsame Spielen und Kennenlernen
🎙️ Das Interview mit Lukas Zach
Wir reden hier vom Spiel des Jahres 2026 in der Kategorie “Kennerspiel des Jahres”. Hier geht es um Spiele, bei denen ein bisschen mehr dahintersteckt als würfeln und hoffen, aber ohne dass man dafür studiert haben muss.
Lukas Zach hat gemeinsam mit Michael Palm bereits 2023 mit „Dorfromantik – Das Brettspiel“ den großen Preis gewonnen. Jetzt steht mit „Boss Fighters QR“ die nächste Nominierung im Raum. Klingt nach einem guten Moment für ein paar ehrliche Fragen:

Was ist das Kennerspiel des Jahres und was steckt hinter „Boss Fighters QR“?
❓ Diko: Fast jeder kennt das Spiel des Jahres, ihr habt den Preis schon 2023 für “Dorfromantik – das Brettspiel” gewonnen. Beim Kennerspiel wird es für den Otto Normalspieler schon spezieller. Warum passt “Boss Fighters QR” genau in diese Kategorie? Und für alle, die bei Board Games nur an Monopoly oder Wolle-gegen-Erz-Dramen denken: Wie erklärst du „Boss Fighters QR“ in drei einfachen Sätzen?
❗️ Lukas Zach: Beim Spiel des Jahres 2026 gibt es drei Kategorien: Spiel des Jahres, Kinderspiel des Jahres und Kennerspiel des Jahres. Das Kennerspiel richtet sich eher an Menschen, die schon etwas mehr Spielerfahrung haben. Ich vermute, dass die Jury unser Spiel dort eingeordnet hat, weil es ein Kampagnenspiel ist. Das bedeutet: Man startet relativ einfach, aber von Partie zu Partie entwickelt sich das Spiel weiter und nach hinten raus kommen weitere Regeln dazu.
Wenn ich Boss Fighters QR in einfachen Worten erklären müsste: Trotz App haben wir ganz normales Spielmaterial. Wir befinden uns in einer Fantasywelt, wie bei Herr der Ringe zum Beispiel, und wir sind eine Heldengruppe, die große sogenannte Bossmonster bekämpft. Das sind also nicht diese kleinen Schergen, sondern wirklich die großen Endgegner, die man aus Fantasyfilmen auch kennt.
Wir haben dabei Karten auf der Hand. Jeder hat einen besonderen Kartenstapel. Wir können verschiedene Fantasy-Völker spielen und diese mit einer Fantasy-Klasse mischen, zum Beispiel einen Elfendruiden oder einen Zwergenmagier. Diese lassen sich beliebig kombinieren.
Das Besondere ist, dass wir auf dem Tisch eine App haben, auf der das Monster zu sehen ist. Wenn wir unsere Karten spielen, halten wir kurz die Karte über die Kamera. Auf der Rückseite wird ein QR-Code erkannt und das, was auf der Karte steht, wird sozusagen wie von Zauberhand in das Handy gesogen und hat dort seine Auswirkungen, wodurch die Monster dynamisch auf unsere Spielzüge reagieren.
Warum das Handy hier kein Spielverderber ist
❓ Diko: Du hast es schon gesagt, bei „Boss Fighters QR“ kommt ja auch das Handy zum Einsatz. Viele sehen Brettspiele ja erst mal klar im analogen Kosmos. Was steckt hinter der Idee, das Spiel dennoch auf eine digitale Schiene zu bringen?
❗️ Lukas Zach: Die Idee hinter Boss Fighters war eigentlich, ein Spielerlebnis, das es im Brettspielbereich schon gibt, aus der reinen Expertenecke herauszuholen. Denn diese Spiele sind oft sehr komplex. Eine normale Familie hat da eigentlich gar keinen Zugang zu, weil immer mindestens ein Spieler die Regeln der Bosse und deren Verhalten kennen müssen.
Genau da kommt bei uns die App ins Spiel. Die Bosse sind höchst komplex, weil sie auf unsere Spielaktionen reagieren müssen. Durch die App können Familien einen einfachen Einstieg finden, weil sie das Spiel erklärt und ganz viele Dinge abhandelt, die man normalerweise selbst im Blick haben müsste. Man kann sich dadurch einfach nur auf das heldenhafte Kämpfen konzentrieren.

Ganz besonders ist außerdem, dass man am Anfang nicht genau weiß, wie so ein Boss überhaupt tickt. Das kennt man aus Videospielen: Man muss erst herausfinden, wie er sich verhält, wann er angreift, wie er angreift und was man tun kann, um ihm auszuweichen. Es geht also nach und nach ein bisschen um die Entschlüsselung und Enträtselung der Verhaltensweisen. Ohne App müsste ein Spieler das alles schon wissen. Der könnte dann zwar den Boss steuern, aber nicht richtig als Held mitspielen. Deswegen kommt bei uns ein Handy oder Tablet zum Einsatz, was heutzutage nahezu in jedem Haushalt zu finden ist. Deswegen konnten wir diesen Schritt gehen und sind dankbar, dass er so großen Anklang findet.
In 20 Jahren vom Bodensee nach Berlin
❓ Diko: Auch dieses Spiel hast du zusammen mit Michael Palm entwickelt. Wie kann man sich so eine Entwicklung vorstellen? Sitzt ihr im ordentlichen Autorenbüro, herrscht kreatives Chaos, kommen die Ideen in der Bahn oder beim Zähneputzen? Und vor allem: Wann ist euch in der Entwicklung aufgefallen, dass ihr nicht nur etwas geschaffen habt, das Spaß macht, sondern das Zeug dazu hat, den Titel zu holen?
❗️ Lukas Zach: Ich glaube, das Besondere an der Zusammenarbeit mit Michael ist, dass wir uns vor über 20 Jahren durch eine zufällige Begegnung im Urlaub am Bodensee kennengelernt haben und seitdem zusammen Spiele entwickeln.
Wir arbeiten nicht im gleichen Büro, sondern über Videokonferenz, da tauschen wir dann Ideen aus. Viele Ideen kommen auch nicht gemeinsam, sondern einer von uns hat eine, bringt sie mit, dann diskutieren wir sie. Oft treibt einer die Idee weiter, nimmt sie wieder mit, dann wird in eigenen Gruppen getestet. Man kommt wieder zusammen, diskutiert weiter, verwirft und testet neu. So reift die Idee nach und nach und wird irgendwann zu einem fertigen Spiel geschliffen.
Die Nominierung
Da das Spiel nicht ohne App funktioniert, konnte ich unsere Chancen überhaupt nicht einschätzen. Das Schöne ist, dass sich „Boss Fighters QR“ dennoch wie ein Brettspiel anfühlt, weil das Handy sozusagen nur wie ein Spielplan ist oder wie eine Karte, die da liegt, sich aber während des Spiels verändert. Dass wir damit eine große Chance haben, hätte ich nicht gedacht. Aber das Spiel kommt gut an und ist jetzt tatsächlich nominiert worden. Da sind wir natürlich sehr froh und gespannt, wie in Berlin die Entscheidung ausfallen wird.
In jeder Spielschachtel steckt ein Abenteuer
❓ Diko: Du lebst in Bremen und bist somit im Norden zuhause. Auch hier in Cuxhaven erlebt das gemeinsame Spielen einen Aufschwung. Was macht ein Brettspiel wirklich gut? Also nicht nur auf dem Papier, sondern am Tisch mit echten Menschen, Snacks, Halbwissen, Diskussionen und jeder Menge Spaß. Und was passiert an einem Spieltisch oder darüber hinaus, das Streaming, Handy und Sofa allein nicht ersetzen können?
❗️ Lukas Zach: Vor vielen, vielen Jahren hat man tatsächlich geglaubt, dass Brettspiele irgendwann verschwinden und ganz durch das Videospiel verdrängt werden. Das ist nicht eingetreten. Im Gegenteil: Der Markt wächst sehr stark. Ich glaube, das liegt auch daran, dass uns die digitale Welt inzwischen sehr beschäftigt und wir es wieder sehr gerne haben, mit echten Menschen am Tisch zu sitzen, uns nicht nur über digitale Medien zu unterhalten, sondern gemeinsam ein Spielerlebnis, ein Abenteuer zu erleben.
In jedem Spiel, in jeder Spielschachtel steckt ein Abenteuer. Dieses gemeinsame Beraten, Zusammensitzen und Sich-Unterhalten passiert ja nicht nur über das Spiel. Es werden auch alltägliche Gespräche geführt, je nachdem, wie kompliziert das Spiel ist, ist das nebenbei ja auch noch möglich. Das ist einfach ein Grundbedürfnis. Spielen an sich macht jeder gerne, und in der Gruppe noch einmal viel lieber. Deswegen glaube ich, dass Brettspiele ein wichtiger Teil unserer Kultur sind.

Zwischen Tiefenentspannung und Deichbrand im Kopf
❓ Diko: Und jetzt noch mal Butter bei die Fische: Wie aufgeregt bist du wirklich? Gerade nach dem Erfolg aus 2023. Kommt da der Norddeutsche durch, cool und tiefenentspannt oder ist da innerlich eher schon Deichbrand im Kopf?
❗️ Lukas Zach: Vor der Nominierung war ich tatsächlich sehr aufgeregt, weil ich natürlich gehofft hatte, dass es klappt. Im Moment rede ich mir noch ein, dass ich ganz entspannt nach Berlin fahren kann – wir haben ja schon einmal gewonnen. Aber ich ahne schon ein bisschen, dass sich das ändern wird, wenn wir erst dort sind. Vielleicht realisiert man dann plötzlich: Okay, vielleicht haben wir wirklich eine Chance.
Ich rechne mir im Moment nicht die Favoritenrolle aus, weil es sehr, sehr starke Konkurrenz in unserer Kategorie gibt. Aber vielleicht haben wir ja eine Chance – wir werden sehen.
Wenn der Preis in den Norden geht
❓ Diko: Angenommen, und wir wünschen es euch, „Boss Fighters QR“ gewinnt: Was geht dann ab? Und falls es doch nicht klappt…was nimmst du trotzdem durch diese Nominierung für das Spiel des Jahres 2026 mit?
❗️ Lukas Zach: Falls wir gewinnen, freuen wir uns natürlich riesig und feiern. Ganz wichtig wäre mir aber auch die Dankesrede, weil man nicht vergessen darf, dass das Spiel nicht nur von uns beiden gemacht wurde. Da sind ganz, ganz viele Menschen beteiligt: im Verlag, im Vertrieb, im Verkauf, die Spieleerklärer auf Messen, die Tester, die Illustratoren und natürlich auch der Programmierer.
Und dann sind da auch unsere Familien, die das alles mittragen und mit uns testen. Gerade dieses Spiel habe ich mit meiner Frau und meinem Sohn sehr, sehr viel getestet, über Jahre. Denen bin ich ganz, ganz dankbar, dass sie diesen verrückten Beruf mittragen.
Naja, und dann trägt man die Trophäe natürlich nach Hause und ist sehr happy darüber. Auch hier in der Brettspielszene wird das wahrgenommen und man freut sich, wenn der Preis in den Norden geht.
Und wenn es nicht klappt?
Wenn wir nicht gewinnen sollten, wäre das vollkommen in Ordnung für mich. Es ist wirklich weltweit der wichtigste Preis für Brettspiele. Man kann eigentlich nicht damit rechnen, ihn überhaupt mal zu gewinnen. Da wir ihn schon einmal gewonnen haben, wäre es okay, wenn wir ihn nicht gewinnen würden. Auf der anderen Seite würde ich mich aber schon sehr, sehr freuen, zumal es jetzt eine andere Kategorie ist.
💡 Cuxhaven-Regio Insider-Tipp
Viele von uns haben jahrelang nicht mehr richtig gespielt oder hängen noch irgendwo zwischen Monopoly, Uno und „Die Siedler von Catan“ fest. Wer wieder einsteigen will, ohne vorher ein Regelstudium zu absolvieren, kann sich gut an drei Richtungen orientieren. Und das Schöne daran: Alle drei Tipps stammen aus der Feder von Lukas Zach:
- Für einen ruhigen, schönen, kooperativen Einstieg lohnt sich „Dorfromantik – Das Brettspiel“.
- Wer mehr Action, Fantasy und gemeinsame Bosskämpfe möchte, schaut sich „Boss Fighters QR“ an.
- Und wenn es schneller, wilder und etwas chaotischer sein darf, ist „BANG! Das Würfelspiel“ ein guter Kandidat für den Spieleabend.
Kurz gesagt: Es muss nicht gleich das komplizierteste Expertenspiel sein. Hauptsache, es bringt dich und deine Liebsten an einen Tisch.
Fazit: Spiel des Jahres 2026
Am Ende des Tages ist es fast egal, ob es ein endloser Monopoly-Abend wird, der Wutanfall bei „Die Siedler von Catan“ oder ob du für „Boss Fighters QR“ das Handy zückst: Solange ein Spiel, sei es das Spiel des Jahres 2026 oder ein anderes, Menschen wieder an einen Tisch bringt und alle eine gute Zeit haben, wurde alles richtig gemacht.
🫵🏼 Jetzt bist du dran:
Was sind deine Brettspielhits und Klassiker? Und wem drückst du im Juli bei der Verleihung die Daumen?
- Bildquelle Titelbild: Kristian Klooß & Pegasus Spiele

